Liberales ÖPNV-Konzept für München

MVV:

Um die Attraktivität des ÖPNVs zu steigern und die Nutzbarkeit zu verbessern, ist die Umstellung auf ein einfacheres, verständlicheres und faireres Tarifsystem im MVV nach Vorbild der London Underground („Oyster Card“) zu forcieren. Die neu eingeführten Chipkarten sind als erster Schritt anzusehen, stellen jedoch keinesfalls einen Ersatz für das oben beschriebene System dar. Eine möglichst weitgehende Anonymisierung der aufgenommenen Daten ist sicherzustellen.

Ein wie von der Staatsregierung gefordertes 365€-Ticket ist grundsätzlich zu begrüßen, darf allerdings nicht zu Lasten der nachhaltigen Finanzierung des ÖPNVs gehen und muss begleitet werden von einer substanziellen Erhöhung der Förderung der Unterhaltskosten des ÖPNVs von Seiten der Staatsregierung. Außerdem fordern wir eine gesamtheitlich durchdachte Finanzierungsstrategie im Bereich der städtischen Mobilität unter Einbezug aller Mobilitätsarten.

Ebenfalls fordern wir eine einheitliche und für die Nutzer optimierte App für MVV und MVG, welche konsequent Echtzeitinformationen zur aktuellen Verkehrslage liefert.

 

S-Bahn/Fernbahn:

Die Einrichtung einer S-Bahn-Strecke über den bestehenden Münchner Nordring ist zu prüfen und dabei auch eine möglichst optimale Einbindung in die bestehende Verkehrsinfrastruktur zu gewährleisten.

Auch ein Ausbau des Südrings zu einer S-Bahn-Strecke, um so einen kompletten S-Bahn-Ring herzustellen, ist in diesem Kontext zu prüfen. Die bereits in Planung befindliche Einrichtung eines Regionalzughaltes an der Poccistraße ist zu unterstützen; des Weiteren ist auf eine optimale Einbindung in das bestehende U-Bahn-Netz zu achten. Sollte es im Rahmen des Baus der U9-Spange notwendig werden, die U-Bahnhöfe Implerstraße und Poccistraße neu zu bauen, sollten diese zu einem einzigen U-Bahnhof unterhalb des zukünftigen Bahnhofes Poccistraße vereinigt werden. Dies würde ein neues ÖPNV-Kreuz im Münchner Süden schaffen. Perspektivisch könnte dieser Halt zu einem vollwertigen Südbahnhof mit Fernzughalt aufgewertet werden.

Auch sind die zahlreichen weiteren Maßnahmen im S-Bahn-Netz, die im Rahmen des „Bahnausbau München“ getroffen werden, zu begrüßen. Langfristig sollten nach Möglichkeit an allen Bahnstrecken mit Fernverkehr zweigleisige S-Bahn-Strecken errichtet werden, um eine höhere Pünktlichkeit und Taktfolge zu ermöglichen.

Im Rahmen des Projektes „Bahnausbau München“ ist bei der Feldmochinger Kurve auf eine Verbesserung des Lärmschutzes zu achten.

Im Rahmen des Baus des Brenner-Nordzulaufes ist eine Einbindung des Güterzugverkehrs über eine Neubaustrecke auf dem Plenum der ehemaligen Feldkirchner Tangente mit Weiterführung in Richtung Bahnstrecke München-Rosenheim zu prüfen. Diese Strecke hätte den Vorteil, dass der Schienengüterverkehr weitgehend um den Bahnknoten München herumgeführt wird und ein viergleisiger Ausbau der Strecke München-Ost – Johanneskirchen obsolet würde.

 

U-Bahn:

Wir JuLis München setzen uns für eine weitere Taktverdichtung der U-Bahn und durchgehende Nachtlinien ein. Die hierzu nötigen neuen U-Bahn-Züge müssen dringend beschafft werden. Bei der Beschaffung ist unbedingt auf einen Einbau von Klimaanlagen zu achten.

Zur besseren Abwicklung und Erhöhung der Betriebssicherheit sind nach Möglichkeit Bahnsteigtüren einzuführen. Langfristig soll die Münchner U-Bahn zur weiteren Kapazitätssteigerung automatisiert werden.

Wir JuLis München begrüßen den Neubau einer zusätzlichen Nord-Süd-Achse, der sogenannten U9-Spange, im Münchner U-Bahn-Netz. Uns ist dabei besonders wichtig, dass die U-Bahnhöfe Münchner Freiheit und Impler-/Poccistraße ein unkompliziertes, einfaches und schnelles Umsteigen mit geringem Zeitverlust von der neuen Trasse zu den U-Bahnen auf den heutigen Linien U3/U6 ermöglichen. Angesichts der immer dramatischer werdenden Engpässe auf der Strecke der U3/U6 ist diesem Vorhaben höchste Priorität einzuräumen.

Analog zur U9-Entlastungsspange für die Strecke der U3/U6 könnte eine Entlastungsspange für die Strecke U1/U2 sinnvoll sein. Dies ist zu prüfen, um möglichst früh mit der Planung beginnen zu können.

Bei der Planung der beschlossenen U26 ist zu überprüfen, inwieweit diese im Kontext der anderen Verkehrsprojekte im Norden (Nordring und eventuelle Seilbahn von der Studentenstadt zum Oberwiesenfeld) noch sinnvoll ist oder ob eine Tram nicht die bessere Lösung darstellt. Sollte die Machbarkeitsstudie für die Seilbahn negativ ausfallen, ist die U26 schnellstmöglich zu realisieren.

Ebenfalls ist die bereits beschlossene Verlängerung der U5 von Pasing bis nach Freiham zu befürworten. Da die Bauarbeiten im neuen Stadtviertel Freiham bereits in vollem Gange sind, ist auch diesem Vorhaben hohe Priorität einzuräumen.

Auch dem Beschluss der Verlängerung der U4 vom Arabellapark nach Englschalking stehen wir positiv gegenüber. Da eine Weiterführung von Englschalking in die Stadtentwicklungszone Ost und darüber hinaus zur Messestadt wahrscheinlich ist und hierfür die Planungen eventuell noch modifiziert werden müssen, ist diesem Vorhaben mittlere Priorität einzuräumen.

 

Tram:

Wir JuLis München befürworten den Bau der Tram Westtangente und fordern den Stadtrat auf, weiterhin die Planungen zu unterstützen.

Ebenfalls befürworten wir den Bau der Tram Nordtangente. Hierbei muss nochmals überprüft werden, ob eine oberleitungsfreie Ausführung im Englischen Garten wirklich notwendig ist. Die Mehrkosten durch die neu zu beschaffenden Fahrzeuge mit Batterieantrieb stehen in keinem Verhältnis zu dem Nutzen, der durch das Fehlen von Oberleitungen, welche im dichten Baumbestand kaum zu erkennen sind, entsteht.

Die Verlängerung der Tram 23 in das Wohngebiet Bayernkaserne ist zu begrüßen.

Mittelfristig sollte auch bei der Tram eine Verdichtung der Taktfolge auf einen Fünf-Minuten-Takt erfolgen.

Ferner sollte der Wiederaufbau einiger stillgelegter Tramstrecken überprüft werden. So könnte beispielsweise ein Wiederaufbau der Tramlinie vom Ostbahnhof nach Neuperlach Zentrum zur Feinerschließung sinnvoll und kostengünstig realisierbar sein.

 

Bus:

Im Rahmen der langfristigen Umstellung auf E-Busse soll eine Wiedereinführung von O-Bussen geprüft werden. Sie könnten die Lösung für das Reichweitenproblem der E-Busse bilden.

Des Weiteren fordern wir die Einrichtung weiterer Expressbuslinien.

 

Weitere Verkehrsmittel und Forderungen:

Grundsätzlich sind in der Verkehrsplanung auch unkonventionelle Lösungsansätze zu begrüßen – daher stehen wir dem Konzept von Seilbahnen prinzipiell positiv gegenüber. Ein Nutzen der aktuell untersuchten Trasse vom U-Bahnhof Studentenstadt zum U-Bahnhof Oberwiesenfeld muss auf jeden Fall im Kontext der geplanten U26 und des S-Bahn-Nordrings ermittelt werden. Der S-Bahn-Nordring muss Priorität haben.

Auch sollte sich die Landeshauptstadt München bemühen, zu einem Versuchsgebiet für autonomes Fahren zu werden.

Bei der allgemeinen Sauberkeit der öffentlichen Verkehrsmittel und Bahnhöfe gibt es ebenfalls noch Verbesserungspotential. Hier kann eine häufigere Reinigung Abhilfe schaffen.

Auch fordern wir die vollständige Zweisprachigkeit im ÖPNV Münchens.

Ebenfalls fordern wir die vollständige Ausstattung aller öffentlichen Verkehrsmittel mit WLAN.

Um Mitbürgern mit körperlichen Einschränkungen mehr Freiheiten bei der Nutzung des ÖPNVs zu gewährleisten, ist eine Verbesserung der Barrierefreiheit unabdingbar.

Langfristiges Ziel sollte sein, dass eine körperlich eingeschränkte Person ohne besondere Beeinträchtigungen (z.B. Warten auf das Aufklappen von Zustiegsrampen) agieren kann.


Antragsteller: AK Kommunales, Selina Sahin


Gültigkeit: 5 Jahre