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Was uns der Terror kostet

Wieder einmal wurde unsere Gesellschaft bis ins Mark erschüttert. Die jüngsten Anschläge haben gezeigt, wie verwundbar wir sind, und erfüllen jeden von uns mit Trauer, Angst und Wut. Denn sie zielen auf unser Herz, auf unsere Kultur, unsere Lebensweise und unsere Freiheit. Die Terroristen wollen uns ihre Vorstellungen von Staat und Religion aufzwingen; dabei nutzen sie eine Form der Kriegsführung, die heimtückisch und wirkungsvoll zugleich ist.

Unsere Gedanken und Anteilnahme gelten den Verletzten, den Opfern und ihren Angehörigen. Was sie durchleiden, ist unvorstellbar. Doch irgendwann kommt die Frage: Was nun, wie geht es nun weiter?

Das Erschreckendste am Terrorismus sind vielleicht nicht die unmittelbaren Kosten von Anschlägen. Denn das eigentliches Ziel der Terroristen sind nicht die Einzelnen, die sie tatsächlich treffen. Sie verfolgen ihre Ziele und nutzen dafür Anschläge, aber vor allem auch die daraus resultierende Angst. Selbst Betroffen zu sein in diesem Kampf ist zwar unwahrscheinlich. Der Gedanke daran ist nichts desto weniger erschreckend. Es ist die Willkür, mit der sie vorgehen und die Unberechenbarkeit. Wir sollen sie fürchten: Denn jederzeit auf dem Weg zur Arbeit, im Theater oder im Urlaub kann es passieren. Nicht das einzelne Opfer, sondern die Angst ist das Ziel des Terrors.

Unsere Sicherheit soll bedroht sein. Um sie zurück zu erhalten, sollen wir einen hohen Preis zahlen. Das heißt entweder: uns ihnen beugen oder selbst Mittel ergreifen, um die Sicherheit wiederherzustellen. Die Währung, in der wir zahlen, sind in beiden Fällen unsere Bürgerrechte. Wir wählen den zweiten Weg und wehren uns. Doch welchen Preis sind wir bereit zu bezahlen?

Kurz nach dem Angriff sind wir schnell bereit, einige von unseren Rechten für etwas mehr Sicherheit über Bord zu werfen. Auch wenn es nur ein Gefühl von Sicherheit ist. Wir verhängen Ausnahmezustände, erlauben Durchsuchungen von Wohnungen ohne richterlichen Beschluss, speichern und übermitteln Fluggastdaten und schon werden weitere Stimmen laut, die bereit sind, noch mehr in Kauf zu nehmen.

Der Betreiber von Eurotunnel preist an, die Technik bestehe bereits: Geräte die den CO2 Ausstoß von Menschen messen und die jedes Fahrzeug im Vorbeifahren durchleuchten. Das ist nicht weit entfernt von den Nackt-Scannern am Flughafen.

Sämtliche Ideen zeigen: Das Mehr an vermeintlicher Sicherheit kann nur erreicht werden, indem jeder einzelne von uns einen Teil seiner Freiheiten aufgibt. Aber zielen die Terroristen nicht genau darauf ab? Wir sollen aus Angst unser Leben ändern und unsere Freiheiten aufgeben. Jedes Mal wenn wir aus Angst unsere Rechte opfern, um vermeintlich mehr Sicherheit zu erreichen, haben sie wieder einen Erfolg erkämpft.

Was sollen wir also tun? Die beste Möglichkeit ist: Weitermachen! Besuchen wir weiter das Theater, fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln und gehen auf den Weihnachtsmarkt mit unseren Lieben.

Und die Sicherheit? Statt den nationalen Überwachungsstaat mit immer mehr Befugnissen und Eingriffsmöglichkeiten aufzublähen, wäre eine bessere Zusammenarbeit der europäischen und internationalen Geheimdienste ein Anfang. Mehr Kommunikation. Denn es hilft wenig, wenn dem einen Staat ein Terrorist bekannt ist, dieser in einem anderen jedoch ungehindert einen Anschlag planen und die Bombe schließlich zünden kann.

Auf keinen Fall lautet die Option jedoch mehr oder gar totale Überwachung. Denn so wäre der höchste Preis schnell bezahlt: unsere Freiheit.

von Maximilian Gawlik